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Frau Schambach gibt ihren Senf dazu
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Firma SenfSalon
Gesellschaftsform Einzelunternehmen
Geschäftsmodell
Bereich Idee
Web-Adresse www.senfsalon.de
Gründung 2003
Kapitaleinsatz bei Gründung 35.000
Geschäftsführung Merit Schambach
Mitarbeiter 1-5
Umsatzentwicklung positiv
Gewinn
 
 
Der gelbe Salon
www.senfsalon.de

Der SenfSalon ist längst über Berlin hinaus bekannt und Merit Schambach vertreibt ihre mittlerweile 30 exotischen Senfsorten bundesweit. Große Gastrobetriebe, Geschäfte und viele Privatkunden beziehen bei den Schambachs den raffinierten Feigen- und Apfelsenf oder Senf mit Lakritze, Cassis, Lavendel und Chili.

Der 2003 gegründete gelbe Salon ist eine Erfolgsgeschichte. „Wir hatten viel Glück“, sagt Merit Schambach, die den Laden gemeinsam mit ihrem Mann betreibt. Glück hatte sie schon vor der offiziellen Eröffnung des gemütlichen Geschäftes in Berlin Kreuzberg. Die Bundesagentur für Arbeit wählte ihre Gründungsidee aus für eine großangelegte Kampagne „Teamarbeit für Deutschland“ und warb mit Anzeigen in allen großen Printmedien für das StartUp. So erschien der SenfSalon samt Verweisen auf Homepage und Laden auf Seite Drei von Spiegel und Stern, bei regionalen Zeitungen und bundesweit auf Plakatwänden. Eine bessere Werbeaktion hätte es nicht geben können. Massenweise Bestellungen aus der ganzen Republik gingen bei den Schambachs ein. Um Werbeaktionen mussten sie sich fortan nur noch wenig kümmern. „Aber Googleanzeigen schalten wir natürlich auch“, sagt Merit Schambach.

Die Schambachs sind beide erfahrene Selbstständige. Christoph Schambach ist von Haus aus freiberuflicher Opernkomponist und war im ersten Leben am Deutschen Theater tätig. Merit Schambach arbeitete als selbständige Fotografin. Beide sind sozusagen selbstständig ´by nature`: „So kommt man auf die Welt“, meint Merit Schambach. Natürlich wurde ihr ein wenig mulmig, als sie den Produktionsraum in der Hagelberger Straße eingerichtet hat und für Zehntausende Euros Maschinen kaufen musste. Doch um den Senf professionell herzustellen, war der Einsatz neuer Maschinen notwendig. „Mit dieser Investition war klar, dass wir vollständig Verantwortung für unser Geschäft übernehmen, mit allem, was dranhängt“, so Merit Schambach.

Das gefällt ihr. Ein Leben, das vorhersehbar ist, wäre nicht das ihre. „Selbständigkeit ist erfrischend, nicht belastend“, findet sie. Sie schätzt es, abends mit ihrem Mann über die Geschäfte zu sprechen. Ein Feierabend nur zum Abschalten von der Arbeit ist nicht ihr Ding. Überhaupt sei es wichtig, „aus vollem Herzen selbstständig zu sein“. Dann strahle man etwas aus, was bei den anderen Menschen positiv ankommt. „Man kann nicht halb selbstständig sein, entweder ganz oder gar nicht“, ist die Devise von Merit Schambach.

Wie sind sie auf den Senf gekommen? Ja, wenn die Sendung mit der Maus nicht gewesen wäre, gäbe es den Laden wohl nicht. Als die Eltern mit den beiden damals zwei- und dreijährigen Kindern gemeinsam die „Maus“ guckten, experimentierte Moderator Armin mit Senf. „Senf lässt sich mit allem mischen, auch mit Banane“, meinte er. Die Idee gefiel Merit und so mischte sie munter Senf mit Zimt, Knoblauch oder Sesam. Das Resultat: Auch die wagemutigsten Senfkreationen schmeckten köstlich. Der Maus-Mann hatte also Recht: Senf ließ sich mit allem mischen. Die in der heimischen Küche hergestellten Senfsorten verschenkte sie zunächst im Freundeskreis, die Resonanz war hervorragend. Dann verkaufte Merit mit ihrem Mann Christoph Schambach – noch vor der offiziellen Gründung im Jahr 2003 – auf dem Gatower Herbstmarkt. Der Standort war gut: direkt neben einer Bratwurstbude. Der Senf ging innerhalb weniger Stunden weg wie heiße Semmeln.

Als bei Merit Schambach dann 2002 die befristete Arbeitsstelle auslief, beschloss sie, sich selbstständig zu machen - mit Senf. Sie gründete eine Ich AG, die auf ihren Namen läuft. Der Senfsalon gehört ihr, doch die volle Unterstützung ihres Mannes war ihr von Anfang an gewiss. Christoph Schambach hat täglich püriert, gemischt und mit abgefüllt. Komponiert hat er Jahre lang kaum, er sah das gelassen: er komponiere eben ,Senfonien' und nicht mehr Sinfonien. Seit das Geschäft entspannter läuft, hat Christoph Schambach wieder Zeit für seine Kompositionen. Die Kinder identifizieren ebenfalls sich mit dem Familienunternehmen. Als der Laden gegründet wurde, freuten sich die beiden über jeden gelben Bus und jedes gelbe Plakat und riefen „Mama, wie der Senfsalon“, lacht Merit Schambach.

In der Gründungsphase profitierte die Unternehmerin von dem Kontakt zu einem ehrenamtlichen Business-Angel. Er gab den Schambachs Ratschläge, wie sie am besten an größere Firmen herantreten und schaute sich ihre Verträge genau an. Den Gründungskredit erhielt Merit Schambach von der Investitionsbank Berlin. Die Auflage war, einen Businessplan zu erstellen, gleichzeitig konnte sie an kostenfreien Gründungsseminaren der ITB teilnehmen.

Inzwischen liegt die spannende, aber auch beschwerliche Gründungsphase hinter ihnen. Der Kredit ist abgezahlt, drei Mitarbeiter wurden eingestellt, der Laden arbeitet mit Gewinn und der Biersenf und Chilisenf etc. geht nach Spanien, Finnland, Japan und in die USA. Bei Feinkost Käfer und im Kaufhaus des Westens steht Cassis-, Chili- und Birnensenf in den Regalen.

Zu Turbulenzen kommt es immer wieder. Zuletzt mit der EU-Gesundheitsbehörde. Die EU-Gesundheitsrichtlinien sind streng und nicht immer nachvollziehbar. So wagten es die Schambachs, ihre Holunderblütensirup-Gläser mit dem Satz „Holunder ist seit altersher als Heilmittel bekannt“ zu kennzeichnen. Das wurde vom Gericht als Ordnungswidrigkeit gewertet und zog eine saftige Geldstrafe nach sich. Der Grund: gesundheitsbezogene Aussagen sind nach EU-Recht verboten.

Doch das ist schon Schnee von gestern, heute gibt es neue Pläne. Das Paar hat einen Termin im Spandauer Rathaus. Schon lange suchen die Schambachs eine Produktionsstätte in Spandau, das lang ersehnte Wunschareal wurde ihnen nicht verpachtet. Nun hat ihnen die Spandauer Behörde ein neues Angebot unterbreitet. Es sollte „möglichst nicht auf der Etage gelegen sein, so dass wir einen Kräutergarten anlegen können“, hofft Merit Schambach. Viel Glück!



Bericht von Uta Nommensen


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