Der schubLaden http://www.schubladen.de
Franziska Wodicka produziert Möbel aus ausrangierten, alten Schubladen. Wie kam sie auf die Idee, Schubladen zum Zentrum ihres kreativen Schaffens zu machen? Zunächst der innere Antrieb: Franziska Wodicka liebt Ordnung, vom kreativen Chaos hält sie nicht so viel. Seine Dinge wohl sortiert in Schubladen zu verwahren, schafft Struktur und vereinfacht das Leben, meint sie. Dazu kommt die Lebensplanung. Nach der Geburt eines Kindes vor drei Jahren will die damals 30jährige studierte Landschaftsarchitektin das Metier wechseln. Gern einen Trödelladen aufmachen, aber davon gibt es viele im Kreuzberger Gräfe-Kiez. Also die Augen aufmachen und neue Wege gehen.
Bei einem Trödler entdeckt Franziska Wodicka eine verwaiste, antike Holzschublade, für die es keine Verwendung mehr zu geben scheint. Sie nimmt sie mit nach Hause. In ihrem Büro steht bereits ein Schubladen-Regal, von ihr selbst vor Jahren gezimmert. 18 Apotheker-Schubladen mit weißen Porzellanknöpfen baute sie damals in eine Kommode ein. Die unterschiedlich großen Schubladen ersteigerte sie bei einer Apothekenschließung. Das perfekte Büromöbel mit Charme begleitet sie fortan durchs Leben!
Für schlichte, alte Dinge, die eine Geschichte erzählen, hat sich Franziska Wodicka immer schon begeistert. „Am meisten mag ich solche, die anscheinend einen geringen Wert haben und die ich am richtigen Ort wieder zu neuem Glanz bringen kann“, erzählt sie.
Franziska Wodicka beginnt für die gesammelten Schubladen kleine Möbel zu entwerfen – und ihnen ein neues Zuhause zu geben. Herzstück jedes Entwurfs ist eine besonders charaktervolle Schublade. Sie durchkämmt die Berliner Antikläden. In der Nachbarschaft spricht sich herum, dass eine Schubladen-Sammlerin im Viertel wohnt. „Die Schubladen kommen auch zu mir“, sagt sie. Manche Menschen rufen an und bringen ihr welche vorbei, andere stellen sie vor die Tür. Nach zehn Monaten hat Frau Wodicka einen Schubladen-Fundus vom Kinderladen über die gläserne Küchenschütte hin zur Eichenschublade angelegt. Bis unter die Decke stapeln sich die Laden. Die ersten Schubladen-Kleinmöbel stehen gezimmert und lackiert beim Schreiner.
Franziska Wodicka eröffnet ihren schubLaden. Sie ist verantwortlich für die Möbel-Entwürfe. Die handwerkliche Umsetzung überlässt sie einer Schreinerin und einem Lackierer. Damit ist handwerkliche Qualität garantiert und sie hat Muße, sich auf das Design zu konzentrieren.
Muße wird allerdings zu einem vorübergehenden Zustand. Die Regale, Sideboards und Kommoden mit den alten Schubladen kaufen die Kunden ihr unter den Händen weg. Und die Medien berichten: nicht nur deutsche, sondern auch bulgarische, portugiesische und japanische Möbelzeitungen. Die schlicht gestalteten, meist weißen Objekte mit andersfarbigen Schubladen erregen Aufmerksamkeit. „Die Möbel sprechen Emotionen an“, weiß Franziska Wodicka aus Gesprächen mit ihrer Kundschaft. Sie stellt ihre Sideboards, die an der Wand zu schweben scheinen, auf Messen aus. Die Design-Welt wird aufmerksam auf eine Designerin, die von der Landschaftsarchitektur kommt und ein stringentes Kunstkonzept verfolgt.
200 bis 300 Schubladen sichtet Franziska Wodicka, wenn sie ein neues Objekt entwirft. Sie nimmt Maß, zeichnet, verwirft, gestaltet neu. Die Tischlerin schließlich misst die Schubladen bis zu 16mal aus, feilt, renoviert Holzböden und Seitenwände und passt sie schließlich in den Korpus ein. Am Schluss kommen die Möbel zum Lackierer. Alles in allem ein zeitaufwendiger Prozess bis hin zu einem Kunst-Objekt, das seinen Preis hat. Aber auch mehr ist als ein Möbelstück.
„Schubladen erzählen Geschichten“, findet Franziska Wodicka. Was mag in den Schubladen gehortet worden sein? Liebesbriefe, alter Schmuck, Fotos aus Jugendtagen? Manche Schubladen erzählen bereitwillig ihre Geschichte so wie der Holzschubladen mit dem Schildchen „Zimmt“ - und der Rechtschreibung einer längst vergangenen Zeit. Das Wort „Zimmt“ hat Franziska Wodicka stehen lassen. Die antike Schublade schmückt nun ein edles Sideboard. Die Käufer erwerben nicht nur ein Designmöbel, sondern auch ein Stück Geschichte.
schubLaden
Franziska Wodicka
Böckhstraße 46
10967 Berlin Kreuzberg
Beitrag von Uta Nommensen
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